Leseförderung

Rezension: „Im Garten der Pusteblumen“ von Noelia Blanco und Valeria Docampo

Perfekte Maschinen, die auf Knopfdruck jeden Wunsch erfüllen. Wozu braucht man dann noch Sternschnuppen oder Pusteblumen? Das ist die Welt, in der die kleine Schneiderin Anna lebt.

Die Technik übernimmt jede erdenkliche Aufgabe. Perfekte Freunde, das perfekte Abendessen, das perfekte Haus … alles ist möglich. Und langweilig. Anna braucht nicht mehr selber Kleider zu nähen, sie ist lediglich dazu da, kleine Änderungen vorzunehmen. Dabei träumt sie von so viel mehr. Sie will einmal etwas ganz Besonderes nähen: Meeressaum, Sternspitzen oder Wolkenumhänge. Auch wenn sie die Einzige zu sein scheint, die noch einen Wunsch in ihrem Herzen trägt.

Im-Garten-der-PusteblumenDes Nachts spaziert sie durch ihre Stadt, in der kein Wind mehr weht. Die Windmühlen haben deshalb ihre Arbeit eingestellt. Dort begegnet sie eines Abends dem Vogelmann, einem verkleideten Riesen mit einem Schnabel aus Papier. Er trägt ebenso einen ganz besonderen Wunsch in seinem Herzen: „Ich wünsche mir, mit den Wolken zu tanzen und die Welt verkehrt herum zu sehen.“

Also beschließt Anna, ihm einen Fluganzug zu bauen. Sie wälzt sich durch alle möglichen Handbücher, probiert dieses und jenes, aber nichts gelingt. Da erinnert sie sich an den Garten der Pusteblumen, einen Ort, wo die Menschen früher ihre Wünsche wünschten. Sie sucht diesen Ort auf, nimmt eine der Pusteblumen, schließt die Augen, spricht ihren Wunsch aus und pustet. Sie spürt einen leichten Hauch an ihrer Wange. Der Wind ist zu neuem Leben erwacht und lässt ihre rote Mähne in der Luft tanzen. Sie folgt seinem Weg hinauf in die Berge. An den Felszähnen bleiben einige seiner Haare hängen. Anna weiß nun, was zu tun ist.

Die ganze Nacht arbeitet sie und näht aus den Haaren des Windes den Fluganzug für den Vogelmann. Zwei Wünsche, die in Erfüllung gehen. Zwei Wünsche, die eine Veränderung in Gang setzen. Das Dorf erwacht aus seiner Lethargie, die Windmühlen drehen wieder ihre Flügel und die Wünsche der Menschen erklingen in den Straßen. Plötzlich braucht niemand mehr die perfekten Maschinen. Sie schalten sich ab. Und das Dorf feiert die Rückkehr des Windes.

Was mich an diesem Buch bezaubert

Es ist nicht nur die Poesie der Geschichte, sondern es sind vor allem die fantastischen Illustrationen. Nur wenige Farben sind vorherrschend: das Braun der Welt der perfekten Maschinen einerseits und das Rot, Grün und Weiß, die Leben symbolisieren, andererseits. Jede Doppelseite konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt trotzdem Freiraum für die Entdeckung von Details. Die Illustratorin Valeria Docampo hat es geschafft, die jeweilige Atmosphäre des Textes in ihren Bildern einzufangen: Monotonie, Sehnsucht, Lebendigkeit, Freude.

Das Buch zeigt, wie wichtig Träume sind, denn sie lassen uns lebendige Wesen sein. Die Geschichte vermag auch zu erzählen, dass harte Arbeit, Geduld und Durchhaltevermögen letztlich Wünsche in Erfüllung gehen lassen. Auf dem Weg dahin trifft Anna Wesen, die sie ermutigen, sie anspornen und sie unterstützen: den Vogelmann, der ihr vertraut, und den Wind, der ihr hilft.

Auf meiner Suche nach Material zu diesem Beitrag bin ich auch auf die französische Originalversion des Textes gestoßen. Sie mutet noch poetischer an, als es im Deutschen möglich wäre. Denn die Worte reihen sich aneinander, reimen sich, ergeben eine sanft klingende Melodie:

„Dans la Vallée des Moulins / tu peux trouver :
des machines parfaites / des rêves cachés
des moulins endormis / des voeux oubliés
un jardin de pissenlits / le peigne du vent
une armée de dés / de la dentelle de mer
des manteaux de nuages / un costume pour voler.“

Jedesmal, wenn die Kinder in dem Kindergarten, wo ich regelmäßig lese, den Worten lauschen und die Bilder entdecken, sind von der Schönheit der Illustrationen und der wunderbaren Geschichte begeistert. Es ist eine Geschichte, die Hoffnung weckt und uns anspornt, unsere Träume nicht aus dem Blick zu verlieren, sondern daran festzuhalten.

Zur Autorin und zur Illustratorin

Noelia Blanco und Valeria Docampo stammen beide aus Buenos Aires in Argentinien. Heute leben sie in Lyon und arbeiten dort als Kinderbuchautorin und -übersetzerin (Noelia) bzw. Kinderbuchillustratorin (Valeria). Valeria Docampos bekanntestes Buch „Die Wörterfabrik“ hat sich weltweit in 20 Sprachen über 120.000 Mal verkauft.

Noelia Blanco & Valeria Docampo: Im Garten der Pusteblumen, mixtvision 2013.
Zielgruppe: ab 3 Jahren.

 

 

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