Interviews

Die Müncher Kinderbuchautorin Diana Hillebrand über ihr vielseitiges Leben mit Paula, Schreibkursen & Co.

diana_hillebrand_mit_paula_der_tierpark_reporterinWir haben denselben Vornamen und begeistern uns für dasselbe Genre: Kinderliteratur. Die Müncher Schriftstellerin Diana Hillebrand ist vielen (angehenden) Autoren durch ihre Schreibkurse und ihre Bücher „Heute schon geschrieben?“ bekannt. Im Interview erzählt sie mir, wie sie die Hauptfigur ihrer Kinderbuchserie Paula entwickelte und was sie an der Vielseitigkeit ihres Berufs zwischen Schreiben, Lesungen und Literaturtreffs fasziniert.

1. Du arbeitest seit vielen Jahren als erfolgreiche Autorin, hast in mehreren Verlagen Bücher veröffentlicht. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Man müsste wohl eher fragen, wie ich zum Veröffentlichen gekommen bin, denn daran habe ich früher gar nicht gedacht. Es war also nicht mein Plan, Schriftstellerin zu werden. Ich habe einfach gern geschrieben, eigentlich schon immer. Für mich war Schreiben die pure Entspannung. Heute sieht es da natürlich ganz anders aus, wenn die Abgabetermine drücken. Aber ich schreibe immer noch sehr gern. Dann kann ich alles um mich herum vergessen.

2. Wieso hast du dir gerade das Genre Kinderliteratur ausgesucht?
Ach, das hat sich so ergeben. Vermutlich auch, weil ich selbst Mutter geworden bin. Da sieht man die Welt plötzlich mit anderen Augen. Es macht wirklich großen Spaß für Kinder zu schreiben. In den Lesungen kann ich dann hautnah erleben, wie die Geschichten ankommen. Das ist ein unglaublicher Moment, wenn Kinder einen gebannt anschauen und mit den Protagonisten mitfiebern. Es ist großartig, wenn die Kinder nach der Lesung fest davon überzeugt sind, dass es Paula wirklich gibt.

Aber es ist auch ganz wichtig für mich, nicht nur Kinderbücher zu schreiben. Ich liebe die Abwechslung und schreibe auch gern für Erwachsene. Beides hat seinen Reiz und ich bin froh, dass ich mich da nicht festlegen muss.

3. Eine deiner Hauptfiguren heißt Paula. In spannenden Geschichten erkundet sie München, geht auf Weihnachtsjagd, agiert als Tierpark-Reporterin. Was macht sie zu so einem besonderen Charakter?
Paula ist immer in Bewegung und sprüht nur so vor Energie. Aber manchmal denkt sie zu spät nach, bevor sie etwas tut. Sie hat ein großes Herz für Tiere und eine Mutter mit einer schlimmen Tierhaarallergie, das ist nicht einfach. Trotzdem findet sie immer einen Weg, Tieren in Not zu helfen. Zusammen mit ihrem besten Freund Luca rutscht sie meistens eher zufällig in ein Abenteuer und kann ihre Neugier dann nicht beherrschen. Die Orte, an denen Paula unterwegs ist, gibt es alle in Wirklichkeit. Deshalb sind die Bücher auch eine Entdeckungsreise durch München. Wenn sie wollen, können die Leser auf Paulas Spuren die Orte in den Büchern besuchen. Diese Mischung aus Realität und Fiktion gefällt mir und den Kindern. Übrigens werden Paulas Abenteuer nicht nur von Münchner Kindern gelesen.

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4. Wer oder was hat dich dazu inspiriert, Paula zu erschaffen?
Die Idee kam mir aufgrund des 100jährigen Jubiläums des Münchner Tierparks. Ich wollte eine Art Tierparkführer schreiben, mit echten Schauplätzen und Tieren im Tierpark Hellabrunn, das Ganze aber als Abenteuergeschichte aufziehen. Paula war dann ganz schnell in meinem Kopf. Sie hat mir quasi eingeflüstert, was ich schreiben soll. Ziemlich schnell war klar, dass man daraus auch eine Buchreihe machen kann. Inzwischen ist das vierte Buch der Reihe erschienen. Darunter auch ein Stadtführer für Kinder. In „München-Touren auf Paulas Spuren“ finden Kinder und Familien neun Touren, um München selbst zu entdecken.

5. Deiner Meinung nach, inwieweit hat sich der Markt für Kinderbücher in den letzten zehn Jahren verändert?
Was mir besonders auffällt, ist die Trennung zwischen Mädchen- und Jungenbüchern. Rosa und Hellblau. Pferde gegen Ritter. Mir persönlich gefällt das nicht. Ich bin mit den Fünf Freunden aufgewachsen. Ich habe mich ganz bewusst entschieden, Bücher zu schreiben, die für Mädchen und Jungs funktionieren. Paulas bester Freund Luca weicht nicht von ihrer Seite und ist für die Geschichten auch unglaublich wichtig. Schließlich leben wir alle in einer Welt mit Jungs und Mädchen bzw. Männer und Frauen. Es gibt ein natürliches Spannungsverhältnis zwischen Jungs und Mädchen im Grundschulalter . Das ist doch spannend! In meinen Lesungen erlebe ich oft, dass es für Kinder kein Problem ist, wenn sich ein Junge und ein Mädchen gemeinsam ins Abenteuer stürzen. Im Gegenteil. Ich achte auch inhaltlich darauf, dass der Übergang fließend ist. Paula spielt zum Beispiel gern Fußball und Luca hat viele verrückte Einfälle.

6. Viele Menschen tragen sich mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Welche Eigenschaften sollte ein Autor bzw. eine Autorin für Kinderliteratur mitbringen?
Naja, für Kinderliteratur gilt erstmal, was für andere Bücher auch gilt: Es muss einem schon Spaß machen zu schreiben und man muss innerlich wohl auch ein bisschen getrieben sein, um die Disziplin aufzubringen, sich immer wieder dranzusetzen. Denn es gibt Momente, da möchte man alles hinschmeißen, da fällt einem jeder Satz schwer. Durch diese Täler muss man sich durchschreiben. Klar, schadet es auch nicht, sich mit gewissen Schreibtechniken ein bisschen auszukennen. Also, wie man Figuren zum Leben erweckt, wie man Dialoge schreibt, Spannung aufbaut, die Erzählperspektiven kennt etc.

Bei Kinderbüchern muss man darüber hinaus noch die Altersgruppe der Kinder streng im Blick haben. Die Bücher werden ja vom Verlag und Buchhandel altersmäßig eingeteilt. Da gibt es Bücher für Vorschüler, Erstleser und Bücher für 8 bis 10jährige usw. Es gilt, die Sprache und die Interessen jeder speziellen Zielgruppe zu treffen. Die Kinder sollen ja Spaß beim Lesen haben. Das ist eine besondere Herausforderung.

Ich glaube aber nicht, dass man unbedingt selbst Kinder haben muss, um Kinderbücher zu schreiben. Zwar hilft es bestimmt, sich in deren Gedankenwelt hineinzuversetzen, wenn man Kinder hat. Jedenfalls empfinde ich das so, aber es geht auch anders. Schließlich waren wir alle mal klein. Man sollte vielmehr in der Lage sein, sich wieder als Kind zu fühlen.

7. Du veranstaltest auch regelmäßig Lesungen. Wie schaffst du es, das Publikum für dich und deine Bücher zu begeistern?
Lesungen sind etwas Großartiges! Ich hänge mich da immer richtig rein. Denn ich bin meinem Publikum gern nah und genieße die Reaktionen auf meine Geschichte. Das entschädigt mich dann für die einsamen Momente zu Hause am Schreibtisch. Ich habe meine Leseauftritte über die Jahre professionalisiert und bereite mich darauf (egal, ob für Kinder oder Erwachsene) sehr gut vor. Dazu gehört auch ein regelmäßiges Sprechtraining. Naja, und natürlich bin ich selbst auch begeistert von meinen Büchern.

8. Seit vielen Jahren unterrichtest du angehende und erfahrene Autoren im Schreiben. Was begeistert dich an dieser Arbeit besonders und wo liegen die Herausforderungen?
Ganz sicher habe ich durch meine Schreibkurse und meine Kursteilnehmer selbst unglaublich viel gelernt. Denn dadurch setze ich mich durchgehend mit dem Thema Schreiben und Literatur auseinander und entwickle Schreibtechniken und Übungen. So bleibe ich als Autorin immer im Flow; Schreibblockaden kenne ich nicht. Es macht mir Spaß, mit anderen Autoren zusammen an ihren Texten zu arbeiten, intensive Textgespräche zu führen und mir immer wieder etwas Neues auszudenken, um sie motivieren und zu unterstützen.

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Die größte Herausforderung habe ich am Anfang unterschätzt. Ich dachte vor allem an die Inhalte und den Aufbau der Kurse. Fast genauso wichtig (oder noch wichtiger) ist es aber, dass man in der Lage ist, eine Schreibgruppe zu harmonisieren. Da kommen Menschen zusammen, die sich unter normalen Umständen nicht begegnen würden. In den Texten stecken oft viele Emotionen der Urheber, damit muss man umgehen können. Die Kunst ist es, angemessene Kritik zu üben, die weiterhilft und trotzdem motiviert. Es bringt weder etwas, die Teilnehmer in Grund und Boden zu stampfen noch sie ausschließlich zu loben. Ehrlichkeit und Einfühlungsvermögen sind hier gefragt. Dann fühlt sich jeder wohl und kann sich in so einem Kurs weiterentwickeln. Geholfen hat mir  sicher auch, dass ich dem Lebensmotto „Leben und leben lassen“ folge und niemandem meine Meinung aufzwingen möchte. Das letzte Wort hat immer der Autor und man darf durchaus unterschiedlicher Meinung sein.

9. Du leitest seit 2007 den Literaturtreff in München. Was ist das Außergewöhnliche an dieser regelmäßigen Veranstaltung?
Ehrlich gesagt wundere ich mich immer wieder, wie lange ich den Literaturtreff nun schon am Leben erhalten kann. Es ist ja nicht so, dass es in München keine anderen (sehr guten) Literaturveranstaltungen geben würde. Ich wollte von Anfang an einen Ort der Begegnung. Literatur, Café, Schriftsteller, Leser und Neugierige treffen aufeinander. Für den Literaturtreff lade ich Autoren ein, die tolle Bücher geschrieben haben. Davon gibt es jede Menge. Und dann kann man in einer sehr schönen Atmosphäre diesen Autoren nahe sein, ihnen zuhören und all die Fragen stellen, die man schon immer mal stellen wollte. Die Stimmung ist locker, fast familiär. Mir geht es vor allem darum, die Menschen hinter den Büchern vorzustellen. Sie erzählen dann von ihren Recherchen, Ideen, von neuen Büchern, aber beispielsweise auch von ihren Unsicherheiten beim Schreiben.

10. Du schreibst Kinderbücher, Kurzgeschichten für Erwachsene, Schreibratgeber und Fachartikel, du gibst Schreibkurse und dozierst auf Tagungen. Welcher dieser Bereiche gefällt dir am besten und warum?
Ich mache das alles, weil das alles zu mir gehört. Ich schreibe in unterschiedlichen Genres, weil jedes für sich einzigartig ist. Für Kinder schreibt man anders als für Erwachsene. In den Schreibkursen und Lesungen begegne ich Menschen von Angesicht zu Angesicht. Mir würde wirklich etwas fehlen, wenn ich nur am Schreibtisch sitzen müsste. Und all das passt so unfassbar gut zusammen. Ich mag die Abwechslung und wollte mich niemals festlegen. Ich bin sehr zufrieden und dankbar, dass ich das alles so machen kann.

11. Was planst du für 2017?
Im Herbst 2017 erscheint mein erster Roman bei Droemer Knaur und ein anderes – ganz besonderes – Buch, das ich noch nicht verraten möchte. Das sind die geplanten Projekte. Wer weiß, was noch dazu kommt. Ich bin offen und gespannt!

Vielen Dank für das Interview, Diana.

Wenn ihr mehr über Diana Hillebrands Arbeit erfahren wollt, schaut euch auf ihrer Website um.

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